IM NAMEN DES SATANS

        "Achamoth" ist der einzige SATANIST Siegens.
"Zumindest habe ich noch keinen anderen getroffen", sagt er. Um ihm zu imponieren, richteten Jugendliche 250 000 Mark Sachschaden auf den Friefhöfen des Kreisgebietes an. 

Ja, die wollten mich nachmachen, die Kinder", erzählt Achamoth im Gespräch mit Siegen Live. Er ist Chef der Black Metal Band INFERNAL, und er war es, der mit einem Bandkollegen 1997 auf dem Hermelsbacher Friedhof randalierte.
"Eine blöde Sache", meint er im nachhinein. "Wir haben Bandfotos gemacht, waren betrunken, und dann sind wir ausgeflippt."
Ein Vorbild will er damit nicht sein. War er aber doch.
Denn eine ganze Jugend-Clique eiferte dem Guru nach, und richtete eine Viertelmillion Sachschaden an.
"Die haben ja keine Ahnung, um was es eigentlich geht", ist er überzeugt. "Die wollen doch nur im Gespräch bleiben." Und das haben die "Kinder" zweifelsohne geschafft.
Zweieinhalb Jahre lang hielten sie die Polizei auf Trab, sorgten für Schlagzeilen in der Tageszeitung und trafen sich Nachts auf der Panzerwiese am Wellersberg. Zweieinhalb Jahre lang war ihnen Kriminaloberkommisar Friedhelm Schreiber auf den Fersen. Und das, obwohl die Ermittlungen schon im Mai 1998 eingestellt worden waren.
"Aber die Sache hat mir keine Ruhe gelassen", so der 48jährige Kripobeamte, der sich eigentlich lieber "Schutzmann" nennt. Dabei hatte es Anfang 1997 alles nach einem schnellen Fahndungserfolg ausgesehen:
Die Vorfälle am Hermelsbacher Friedhof werden rasch aufgeklärt, Achamoth und eine Bandkollege nach wenigen Wochen durch einen anonymen Hinweis überführt. Doch dann geht der Spuk erst richtig los.

Unbekannte Randalierer suchen beinahe alle Friedhöfe des Kreisgebietes heim. Sie klauen Kreuze, zertreten Grablampen, spielen Fussball mit Tötenköpfen. Schreiber selbst legt sich nachts auf die Lauer, führt ein Verhör nach dem anderen. Er har eine Gruppe 13-20jähriger im Verdacht, die sich in der Dunkelheit auf der sogenannten Panzerwiesen am Wellersberg trifft. Immer wieder werden die Jugendlichen kontrolliert. Zwar finden die Beamten eine Vielzahl Friedhofskreuze, aber zu einem Tatnachweis kommt es aber nicht.
Erst nach weiteren, zahlosen Vernehmungen verdichten sich die Hinweise. Schliesslich gestehen zehn Jugendliche ganz oder teilweise an Friedhofszerstörungen beteiligt gewesen zu sein.
Siegen - eine okkulte Hochburg? Das weisst Schreiber weit von sich: " Die erzählen immer `ich war auf dem Satanstrip`, haben aber von den Hintergründen überhaupt keine Ahnung." Das wahre Tatmotiv: Die Jugendlichen wollten "Achamoth" imponieren: 24 Jahre alt, selbsternannter Christenhasser und laut Schreiber "unbelehrbar".
Achamoth selbst geht seinem düsteren Glauben lieber in den eigenen vier Wänden nach. Rituale vor dem Spiegel und das Vaterunser rückwärts gesprochen gehören quasi zum kleinen Satanisten-Einmaleins. "Was dabei passiert, will ich öffentlich nicht erzählen", belässt er es bei Andeutungen. "Nichts für labile Menschen in jedem Fall." Ein Bekannter sei den Ritualen nicht gewachsen gewesen und in der Psychiatrie gelandet, erzählt er.

"Achamoth" ist als 11jähriger mit seinem Eltern aus der DDR nach Westdeutschland übergesiedelt.
Schon drüben hatte er keine Lust, sich an die Normen des real existierenden Sozialismus zu halten: "In der Kirche habe ich die Kollekte geklaut, und in der FDJ wollten sie mich nicht mehr haben."
1987 kommt er durch Nachbarn mit Metal-Musik in Kontakt, später lernt er Gitarre spielen, gründet verschiedene Bands.
Seit 1993 gibt es INFERNAL, die sich mit einigen Demotapes in der Szene bundesweit einen Namen gemacht haben. Der Kunstname "Achamoth" stammt aus dem "Necronomicon", eine Art mystische Gebrauchsanleitung. "Der christliche Glaube ist nur aufgezwungen, die Zehn Gebote ein viel zu enges Korsett, um sich danach zu richten", findet er.
Sein Credo: Tu was Du willst, und liebe niemanden. Sein Mentor: Aleister Crowley, Gründer der ersten Satanskirche um die Jahrhundertwende. Zur Siegener Szene, laut Achamoth zwei zerstrittene Gruppen mit jeweils 30 Mitgliedern, hat er wenig Kontakt. Einen Gleichgesinnten habe er noch nicht getroffen, will es eigentlich auch nicht. Das Einzelgängertum liegt ihm mehr, sagt er. Er braucht Zeit, um an seinem eigentlichen Lebesziel zu arbeiten: der Unsterblichkeit.


Mike Külpmann

 

Presse :

( komplett nachzulesen im Archiv von Siegener Zeitung )

 


Grabkreuze zerschlagen und Pflanzen zertreten  (18.01.1997)
Gräber auf Hermelsbacher Friedhof verwüstet - Hohe Schäden Siegen. Meisen schnarren in den kahlen Büschen, der Asphalt glänzt naß vom schmelzenden
Treffer: 6

 

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